Gedenkstätte zur NS-Zwangsarbeit und Gartendenkmal

text_gedaenkstaedte_01tnubs e.V. bewirtschaftet und pflegt seit 1996 ein Grundstück in Reinickendorf, dass unter zweifachem Denkmalschutz steht: Aus seiner Zeit als Zwangsarbeiterlager im Nationalsozialismus und aufgrund einer in den 50iger Jahren angelegten Gartenarbeitsschule mit Botanischem Garten.

Der idyllische, parkartige Garten mit seinen alten Bäumen, seltenen Sträuchern und Kräuterbeeren sowie die barackenartigen Gebäude dienten bisher als Ausbildungs- und Begegnungsstätte für die Arbeit von ubs e.V. und der Abraxas GmbH rund um Ausbildung und Jugendhilfe.

Erst der Abriss von originalen Lagergebäuden für eine Wohnbebauung auf einer Hälfte des Grundstücks im Jahr 2007 hat den Wert des Bau- und Gartendenkmals wieder ins Bewusstsein gerückt und eine Aufarbeitung seiner Geschichte angestoßen. Als Alltagsgegenstände der NS-Zwangsarbeiter, wie z.B. Krüge, die aus der Lagerzeit gefunden wurden, erkannte man die historische Bedeutung des Ortes als Ganzes.

Auf diesem, inmitten der Siedlung Waldidyll gelegenen, über 30 tausend qm großen Areal, wurde 1942 ein NS-Zwangsarbeiterlager angelegt. Betrieben wurde es von der Rüstungsfirma Alkett - den Altmärkischen Kettenwerken, einer Tochterfirma von Borsig, und zwar bis zum Kriegsende 1945. Namen gebend für das Lager war der Krumpuhler Weg, der von der Bernauer Straße abzweigt und heute in den Billerbecker Weg einmündet, ursprünglich aber als Verbindungweg bis in die Jungfernheide führte. Mit rund 38 Gebäuden und bis zu 1500 Insassen gehörte das „Gemeinschaftslager Krumpuhlerweg“ zu den großen Lagern in Berlin. Untergebracht waren hier seit Frühsommer 1942 so genannte „Ostarbeiter“, also Russen, Ukrainer und Weißrussen, darunter auch Frauen, die hier Kinder zur Welt brachten. Seit 1943 kamen Franzosen und italienische Militärinternierte hinzu.

Von 1946 bis 1954 waren zunächst die 21. und später auch die 14. Grundschule auf dem Gelände untergebracht und nutzten die aus der Lagerzeit verbliebenen Holzbaracken.1955 zog die Grundschule in den benachbarten Ascheberger Weg um und führt seitdem den Namen Alfred-Brehm-Schule.

Von 1955 bis 1996 nutzte eine Gartenarbeitsschule das Gelände und veränderte sein Aussehen grundlegend: Die noch aus der Lagerzeit vorhandenen Holzbaracken mussten der Anlage von Beeten und Bäumen weichen und wurden bis 1960 abgerissen. Als das Gelände im August 1958 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, dominierten noch Blumenbeete. Die heute hier vorhandene schöne Gartenlandschaft ist also erst in der Zeit der Gartenarbeitsschule angelegt worden, ebenso wie das „Grüne Klassenzimmer“ gegenüber der ehemaligen Verwaltungsbaracke. 1992 wurden die verbliebenen Gebäude aus der Lagerzeit unter Denkmalschutz gestellt, 1996 folgte die Gartenarbeitsschule. Diese wurde 1996 von ubs e.V. als Betreiberin des Geländes abgelöst. Rund zehn Jahre später wurde ein Teil des ehemaligen Lagergeländes bis zum Werdohler Weg an eine Wohnunsgbaugesellschaft verkauft und somit die Voraussetzungen für die Errichtung der heutigen Gedenkstätte geschaffen. Da die auf dem verkauften Gelände verbliebenen Gebäude aus der Lagerzeit aus dem Denkmalschutz entlassen wurden, stellte die Wohnungsbaugesellschaft eine bestimmte Summe zur Verfügung, mit der in der Folgezeit die Gestaltung des verbliebenen Geländes als Denkmalort finanziert werden konnte. Die Erföffnung fand am 22. Mai 2010 statt.

Aus der Lagerzeit erhalten sind die Verwaltungsbaracke am Eingang Billerbecker Weg, gegenüber steht der kleine Einmannbunker, der der Beobachtung des Geländes bei Luftangriffen diente, außerdem ehemalige Wirtschaftsgebäude und Werkstätten sowie der Schweinestall, der als Museum eingerichtet wird. Das Gelände jenseits des Werdohler Wegs wurde bereits 1950 zwecks Errichtung eines Mädchenheims verkauft und damit das ehemalige Lagergelände erstmals verkleinert. Hier sind die massive Sanitätsbaracke und die ehemaligen doppelstöckigen Massivbaracken erhalten geblieben. In diesen großen Gebäuden ist heutzutage eine Kita untergebracht, die davor stehende Sanitätsbaracke wurde zum Heizwerk für die Kita umfunktioniert. Eine zweite Verkleinerung erfuhr das ehemalige Lagergelände 1955 durch des Verkauf des Areals, wo heutzutage die evangelische Philippuskirche steht.

Text: Frau Dr. Gertraud Schrage

ubs e.V. führt seit April 2009 und bis Februar 2012 ein Projekt gegen Fremdenfeindlichkeit an der Gedenkstätte durch

 
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